Eine offizielle Formel dafür veröffentlicht OpenAI nicht. Bekannt ist: ChatGPT stützt sich auf das, was das Modell beim Training gelernt hat, und – wenn es im Web sucht – auf die Seiten, die es dabei findet. Nach allem, was sich beobachten lässt, haben Unternehmen die besseren Karten, über die in diesen Quellen gut belegt, verständlich und stimmig geschrieben wird. Seit Ende August 2026 zeigt ChatGPT zwar auch in Österreich Anzeigen, im Free- und im Go-Tarif. Laut OpenAI sind sie gekennzeichnet, von der Antwort getrennt und beeinflussen die Antworten nicht. Was in der Antwort selbst steht, lässt sich also nicht kaufen.
Zwei Wege, auf denen ChatGPT von euch erfährt
1. Das Trainingswissen. Sprachmodelle lernen aus großen Mengen Text, unter anderem aus öffentlichen Websites. OpenAI betreibt dafür einen eigenen Crawler, GPTBot. Inhalte, die er erfasst, können laut OpenAI für das Training der Modelle verwendet werden (OpenAI).
Dieses Wissen hat einen Stichtag. Anbieter geben dafür einen „Knowledge Cutoff“ an – Anthropic etwa beschreibt ihn bei Claude als das Datum, bis zu dem das Wissen des Modells am umfangreichsten und verlässlichsten ist (Anthropic). Was danach passiert ist, kennt das Modell aus dem Training nicht. Euer neues Angebot vom letzten Frühjahr? Möglicherweise unbekannt.
2. Die Websuche. Für aktuelle Fragen kann ChatGPT im Web suchen. Dafür ist ein zweiter Crawler zuständig, OAI-SearchBot. OpenAI schreibt dazu klar: Websites, die OAI-SearchBot aussperren, werden in den Suchantworten von ChatGPT nicht gezeigt (OpenAI). Beide Crawler lassen sich in der robots.txt getrennt erlauben oder sperren.
Andere Systeme arbeiten ähnlich. Google beschreibt für seine Gemini-Modelle, dass das Modell bei Bedarf selbst Suchanfragen formuliert, die Ergebnisse verarbeitet und daraus eine Antwort mit Quellen baut (Google). Microsoft schreibt, Copilot stelle Inhalte in den Mittelpunkt, die im Web weit oben stehen, und verlinke sie unter der Antwort (Microsoft).
Das heißt auch: Klassische Suchmaschinen-Sichtbarkeit spielt weiter eine Rolle. Google selbst sagt, dass für seine AI Overviews dieselben Grundlagen gelten wie für die normale Suche (Google Search Central). Mehr dazu in Google AI Overviews.
Was niemand offiziell sagt
Welche Quelle wie stark zählt, warum genau dieses Unternehmen genannt wird und jenes nicht: Dazu gibt es von den Anbietern keine veröffentlichte Gewichtung. Alles darüber hinaus ist Beobachtung, keine offizielle Auskunft.
Was man tun kann, ist beobachten und messen. Und aus vielen Beobachtungen ergibt sich ein Bild, das sich am besten mit einem Vergleich aus dem echten Leben erklären lässt.
Plausibel schlägt wahr: das Bild vom Selbstlob
Stellt euch einen Unternehmer vor, der auf seiner eigenen Website schreibt, er sei der bärigste Unternehmer Tirols. Glaubt ihm das jemand? Eher nicht.
Jetzt stellt euch vor, das steht in der Zeitung. Kunden schreiben es in ihren Bewertungen. Ein Branchenportal nennt ihn, ein Partner verlinkt ihn, ein Fachartikel zitiert ihn. Plötzlich „stimmt“ es – nicht, weil es bewiesen wäre, sondern weil viele glaubwürdige Stimmen dasselbe erzählen.
Vereinfacht gesagt kann man sich die Auswahl einer KI genau so vorstellen. Sie prüft nicht, wer wirklich der Beste ist. Sie fasst zusammen, was in ihren Quellen übereinstimmend und gut belegt steht. Plausibel schlägt wahr.
Daraus folgen zwei Dinge:
- Eure eigene Website reicht nicht. Sie ist wichtig, weil sie die Fakten liefert. Aber die Bestätigung kommt von außen: aus Medien, Portalen, Bewertungen, Fachbeiträgen. Mehr dazu in Brand Mentions.
- Die Konkurrenz um die Antwort ist oft eine andere als gedacht. Häufig, je nach Branche, nennt die KI Vergleichsportale, Testberichte oder Ratgeberseiten statt direkter Mitbewerber. In einer Auswertung zu Autos, Unterhaltungselektronik und Software stammten bei ChatGPT rund 73 bis 92 Prozent der herangezogenen Quellen aus unabhängigen Medien sowie Test- und Vergleichsseiten statt von den Websites der Marken (Chen et al., arXiv). Die Arbeit ist ein Preprint und noch nicht unabhängig begutachtet.
Fuchs-Tipp
Schreibt einen Satz auf, den ihr gern in einer KI-Antwort über euch lesen würdet. Dann zählt nach: Auf wie vielen fremden Seiten steht das schon? Lautet die Antwort „auf keiner“, wisst ihr, wo die Arbeit anfängt.
Was die Forschung zeigt
Die bisher meistzitierte Untersuchung dazu ist das GEO-Paper von Aggarwal et al., angenommen auf der Konferenz KDD 2024 (arXiv). Die Autoren haben getestet, welche Änderungen an Texten dazu führen, dass KI-Systeme sie in ihren Antworten stärker berücksichtigen:
- Quellen zitieren, Zitate einbauen, Statistiken ergänzen brachte in ihren Tests eine relative Verbesserung der Sichtbarkeit von 30 bis 40 Prozent.
- Keyword-Stuffing brachte kaum bis gar keine Verbesserung.
- Seiten, die in der klassischen Suche weiter hinten standen, profitierten deutlich stärker als die Spitzenreiter.
Das sind Ergebnisse auf einem eigenen Testdatensatz, nicht aus euren Branchen-Antworten. Aber sie passen zum Bild vom Selbstlob: Belegte, konkrete, gut lesbare Inhalte haben bessere Karten als Werbesprache.
Fuchs-Tipp
Tauscht ein Eigenschaftswort gegen eine Zahl. „Großer Seminarraum“ sagt der KI wenig. „Seminarraum für 40 Personen, mit Tageslicht“ (ein erfundenes Beispiel) kann sie übernehmen.
Dieselbe Frage, andere Antwort
Wer ChatGPT zweimal dasselbe fragt, bekommt oft zwei verschiedene Listen. SparkToro und Gumshoe.ai haben das untersucht: 12 Fragen, insgesamt 2.961 Durchläufe durch ChatGPT, Claude und Googles AI Overviews. Dieselbe Liste von Marken kam seltener als einmal in hundert Fällen zurück. Stabiler war dagegen, wie oft eine Marke über viele Durchläufe genannt wurde (SparkToro). Die Untersuchung ist nicht wissenschaftlich begutachtet, deckt sich aber mit dem, was man im Alltag sieht.
Für euch heißt das: Ein einzelner Test sagt wenig. Ob ihr genannt werdet, ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Deshalb misst man Anteile – den Share of Answers – über viele Fragen und viele Durchläufe.
Genannt werden ist die halbe Miete
Selbst wenn ChatGPT euch nennt, ist die Arbeit nicht getan. Die KI erzählt dabei etwas über euch – und das kann veraltet, ungenau oder schlicht an eurer Positionierung vorbei sein. Ein erfundenes Beispiel: Das „Weingut Beispielhang“ wird genannt, aber mit dem Hofladen, den es seit zwei Jahren nicht mehr gibt. Was ihr dann tun könnt, steht in Falsche Angaben in KI-Antworten.
Hier kommt der Mensch ins Spiel. Die Technik kann messen, wie oft ihr genannt werdet und welche Quellen die KI dabei heranzieht. Ob das, was sie erzählt, nach euch klingt und zu dem passt, wofür ihr stehen wollt, beurteilen Menschen, die euch kennen.
Was ihr daraus machen könnt
- Prüft die Technik. Ist eure Website für Suchmaschinen und für OAI-SearchBot erreichbar? Steht das Wichtigste als Text auf der Seite, nicht nur in Bildern?
- Schreibt Fakten auf. Leistungen, Standorte, Zielgruppen, Besonderheiten – klar, aktuell und belegt. Was nirgends steht, kann die KI nicht erzählen.
- Sorgt dafür, dass andere über euch schreiben. Fachbeiträge, Medienberichte, Branchenverzeichnisse, Bewertungen.
- Beantwortet die Fragen, die die KI für wichtig hält. Manche davon hat noch niemand gut beantwortet. Wer es zuerst tut, hat dort kaum Konkurrenz.
- Messt regelmäßig. Nicht einmal fragen, sondern über viele Durchläufe hinweg. Einen ersten Eindruck gibt der Selbsttest.
Bei unserem KI-Audit schreibt übrigens die KI den Fragebogen selbst: Sie verrät uns, welche Fragen sie zu eurem Thema für relevant hält – und dann stellen wir ihr genau diese Fragen. Ein paar hundert Mal. Wie es danach weitergeht, steht unter KI-Sichtbarkeit. Einen Überblick über alle Begriffe gibt Was ist KI-Sichtbarkeit?