KI-Systeme wie ChatGPT oder Googles Übersichten mit KI machen falsche oder veraltete Angaben, weil sie aus einem Wissensstand mit Stichtag, aus dem, was sie im Netz finden, und nach Wahrscheinlichkeiten antworten. Eine Korrektur auf Knopfdruck gibt es für Unternehmen nicht. Ihr könnt aber Einfluss darauf nehmen, was die KI findet: mit einer eindeutigen, aktuellen Website, gepflegten Unternehmensprofilen, korrigierten Einträgen bei anderen und Feedback an die Anbieter.
Warum die KI Falsches über euch erzählt
Ein Tagungsraum, den es seit dem Umbau nicht mehr gibt. Öffnungszeiten von vor drei Jahren. Eine Leistung, die ihr längst eingestellt habt. Solche Fehler haben meist eine von drei Ursachen.
Der Wissensstand hat ein Ablaufdatum
Sprachmodelle werden mit Daten bis zu einem bestimmten Zeitpunkt trainiert. OpenAI schreibt dazu in seiner Hilfe, dass die Antworten Ereignisse nach diesem Stichtag nicht berücksichtigen, außer es kommen Werkzeuge wie die Websuche zum Einsatz. Was ihr nach dem Stichtag geändert habt, kennt das Modell aus dem Training also nicht.
Die Websuche findet, was im Netz steht – auch das Alte
Mit eingeschalteter Suche kann ChatGPT laut OpenAI aktuelle Informationen aus dem Web abrufen und mit Quellen belegen (OpenAI Help Center). Das hilft nur, wenn die gefundenen Quellen stimmen. Ein alter Branchenbucheintrag oder ein Artikel von 2021 ist für die Suche genauso auffindbar wie eure neue Website. OpenAI nennt außerdem einen weiteren Grund: Manche Websites kann das Modell aus technischen Gründen, wegen Bezahlschranken oder wegen der Einstellungen in der robots.txt nicht abrufen.
Wahrscheinlich ist nicht dasselbe wie wahr
KI-Systeme sagen voraus, welche Wörter mit hoher Wahrscheinlichkeit als Nächstes kommen. OpenAI weist in seiner Datenschutzrichtlinie selbst darauf hin, dass die wahrscheinlichsten Wörter nicht unbedingt die faktisch genauesten sind. Erfundene Fakten, falsche Daten oder Quellen, die es nicht gibt, nennt man Halluzinationen. Google schreibt in der Hilfe zu den Übersichten mit KI ebenso offen, dass dabei Fehler vorkommen können und werden.
Dazu kommt ein Prinzip, das man sich gut merken kann: Plausibel schlägt wahr. Wer sich selbst den bärigsten Betrieb Tirols nennt, überzeugt niemanden. Steht es in der Zeitung, auf Bewertungsportalen und in Branchenverzeichnissen, „stimmt“ es plötzlich. Die KI funktioniert ähnlich: Was viele Quellen übereinstimmend erzählen, wirkt für sie glaubwürdig. Steht die alte Angabe an zehn Stellen und die neue nur auf eurer Website, hat die alte gute Chancen. Mehr dazu, wie die KI auswählt, steht in Wie entscheidet ChatGPT, welche Unternehmen es nennt?
Zuerst nachsehen: Was erzählt die KI über euch?
Bevor ihr etwas ändert, braucht ihr ein Bild davon, was überhaupt falsch ist. Stellt verschiedenen KI-Systemen Fragen zu eurem Unternehmen und eurem Angebot, und das mehrmals: KI-Antworten fallen nicht jedes Mal gleich aus. Schreibt mit, welche Angaben auftauchen, und schaut euch die verlinkten Quellen an, wenn die Antwort welche nennt. Dort liegt oft die Ursache. Wie ihr das strukturiert angeht, beschreibt unser Selbsttest.
Ein Beispiel: Das Seminarhotel Beispielhof (erfunden) hat seinen großen Saal vor zwei Jahren in drei kleinere Räume umgebaut. Die KI empfiehlt das Hotel trotzdem für Tagungen mit 200 Personen. Die Spur führt zu einem Tagungsportal, auf dem noch der alte Saal steht, und zu einer Unterseite der eigenen Website, die beim Umbau vergessen wurde.
Fuchs-Tipp
Sucht die falsche Angabe zuerst auf eurer eigenen Website. Wie im Beispiel oben versteckt sie sich gern auf einer vergessenen Unterseite – und die habt ihr schneller korrigiert als jeden fremden Eintrag.
Was ihr konkret tun könnt
1. Eure Website: eindeutig, aktuell und als Text lesbar
Eure eigene Website ist die Quelle, die ihr komplett in der Hand habt. Ein paar Punkte, die helfen:
- Eine Angabe, eine Stelle, ein Stand. Öffnungszeiten, Adresse, Angebot und Ansprechstellen sollten überall auf der Website gleich lauten. Widersprüche zwischen Unterseiten machen es der KI schwer.
- Altes nicht liegen lassen. Veraltete Seiten aktualisieren, zusammenführen oder mit einer Weiterleitung auf die aktuelle Seite schicken. Ein sichtbares Datum („Stand: Oktober 2026“) macht klar, was neu ist.
- Wichtiges als Text. Google empfiehlt Website-Betreibern in seiner Dokumentation zu KI-Funktionen, wichtige Inhalte als Text bereitzustellen und strukturierte Daten mit dem sichtbaren Text übereinstimmen zu lassen. Ein Angebot, das nur in einem Bild oder PDF steht, ist schwerer zu erfassen.
- Crawler nicht aussperren. Prüft eure robots.txt. OpenAI schreibt in seiner Crawler-Dokumentation, dass Websites, die den OAI-SearchBot ausschließen, nicht in den Suchantworten von ChatGPT erscheinen. Google weist ebenfalls darauf hin, dass das Crawlen erlaubt sein muss, auch bei Hosting- oder CDN-Anbietern.
Eine technisch saubere Website ist dafür die Grundlage. Mehr dazu unter Websites.
2. Unternehmensprofile pflegen
Google nennt in derselben Dokumentation ausdrücklich, dass Angaben im Unternehmensprofil (Google Business Profile) aktuell sein sollten. Über das bestätigte Profil könnt ihr Adresse, Öffnungszeiten, Sonderöffnungszeiten und Kontaktdaten selbst ändern. Laut Google-Hilfe werden Änderungen geprüft, bevor sie im Profil erscheinen. Entdeckt ihr falsche Angaben in einem Profil, das euch nicht gehört, könnt ihr dort eine Änderung vorschlagen.
3. Verzeichnisse, Portale und alte Erwähnungen aufräumen
Hier steckt oft die meiste Arbeit: Branchenverzeichnisse, Bewertungs- und Buchungsportale, Kammer- und Verbandsseiten, Partnerseiten, alte Presseartikel. Geht die Quellen durch, die in den KI-Antworten auftauchen, und bittet die Betreiber um Korrektur. Bei Medienberichten ist das nicht immer möglich. Dann hilft es, neue, aktuelle Erwähnungen an glaubwürdiger Stelle zu schaffen, damit die alte Angabe nicht mehr die Mehrheit stellt. Warum solche Nennungen bei anderen so viel Gewicht haben, erklärt der Artikel über Brand Mentions.
Fuchs-Tipp
Legt eine Liste aller Stellen an, an denen Adresse, Öffnungszeiten und Leistungen von euch stehen. Beim nächsten Umzug oder Umbau arbeitet ihr sie einfach von oben nach unten ab.
4. Feedback an die Anbieter
Die meisten KI-Systeme haben eine Feedback-Funktion für Antworten:
- ChatGPT: OpenAI bittet in seiner Hilfe darum, falsche Antworten über den Daumen-runter-Button zu melden.
- Übersichten mit KI bei Google: Unter jeder Übersicht gibt es „Mag ich nicht“ und danach „Problem melden“, etwa wenn eine Antwort ungenau ist (Google Suche Hilfe).
Erwartet davon nicht zu viel. Feedback ist kein Korrekturantrag. Was danach passiert und ob sich eine einzelne Antwort ändert, legen die Anbieter nicht im Detail offen. Es schadet aber nicht, und es ist in zwei Minuten erledigt.
Und rechtlich?
Bei falschen Angaben über Unternehmen fällt schnell das Stichwort DSGVO. Hier lohnt ein genauer Blick. Die Datenschutz-Grundverordnung schützt personenbezogene Daten natürlicher Personen. Laut Erwägungsgrund 14 gilt sie nicht für Daten juristischer Personen, ausdrücklich auch nicht für Name, Rechtsform und Kontaktdaten eines als juristische Person gegründeten Unternehmens. Falsche Angaben über eine GmbH sind also in der Regel kein Fall für die DSGVO.
Anders kann es aussehen, wenn die KI etwas Falsches über einen Menschen erzählt, etwa über eine Geschäftsführerin oder einen Einzelunternehmer. Artikel 16 DSGVO gibt betroffenen Personen das Recht, die Berichtigung unrichtiger personenbezogener Daten zu verlangen. OpenAI nennt in seiner EU-Datenschutzrichtlinie dafür einen Weg: Anfragen zu sachlich unrichtigen Informationen über die eigene Person über privacy.openai.com oder per E-Mail an dsar@openai.com. OpenAI schreibt dazu, die Anfrage werde im Rahmen des geltenden Rechts und der technischen Möglichkeiten der Modelle bearbeitet.
Das ist ein allgemeiner Überblick, keine Rechtsberatung. Geht es um rufschädigende Behauptungen oder um euren konkreten Fall, holt euch bitte rechtlichen Rat.
Einfluss ja, Knopf nein
Ehrlich gesagt: Niemand kann bestimmen, was eine KI im Einzelfall antwortet, auch wir nicht. Was geht: dafür sorgen, dass die KI an möglichst vielen glaubwürdigen Stellen das Richtige findet. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie es auch erzählt.
Genau hier liegt für uns der Unterschied. Genannt zu werden ist die halbe Miete. Entscheidend ist, was die KI dabei über euch erzählt: ob es stimmt, ob es aktuell ist und ob es das Bild zeigt, das ihr vermitteln wollt. Die Technik zeigt, welche Angaben in den Antworten auftauchen und wie oft. Ob eine Antwort zwar formal stimmt, aber nach dem Betrieb von vor fünf Jahren klingt, sieht ein Mensch, der euch kennt. Daraus entscheiden wir mit euch, was korrigiert und was neu erzählt werden soll. Danach wird wieder gemessen, wie im Artikel über den Share of Answers beschrieben.
Wie wir dabei vorgehen, steht auf der Seite KI-Sichtbarkeit.