Wissen / KI-Sichtbarkeit

Was erzählt die KI über euer Unternehmen? Ein Selbsttest in 15 Minuten

Eine Anleitung zum Selbermachen: welche KI-Assistenten, welche Fragen, worauf ihr achten solltet – plus Checkliste und die ehrlichen Grenzen eines Selbsttests.

Stand: Oktober 2026 · Von Lisa Peer · veröffentlicht am

Was die KI über euer Unternehmen erzählt, könnt ihr in einer Viertelstunde selbst ausprobieren: drei oder vier KI-Assistenten, fünf gut gewählte Fragen, jede mehrmals in einem neuen Chat gestellt, und eine einfache Notiz pro Antwort. Am Ende wisst ihr, ob ihr genannt werdet, ob die Angaben stimmen und auf welche Quellen sich die KI stützt. Was ihr nicht bekommt, ist eine belastbare Zahl – dafür ist die Stichprobe zu klein. Für einen ersten, ehrlichen Eindruck reicht es aber allemal.

Warum sich der Selbsttest lohnt

Die Suche hat sich verändert: Immer mehr Menschen fragen ChatGPT, Gemini, Perplexity oder die KI in der Google Suche. Und die KI antwortet mit einer Handvoll Namen statt mit zehn Links.

Dabei gibt es zwei Fragen. Die erste: Werdet ihr überhaupt genannt? Die zweite ist mindestens so wichtig: Was erzählt die KI über euch, wenn sie euch nennt? Stimmen die Öffnungszeiten, die Leistungen, der Standort? Klingt das nach euch oder nach einem Unternehmen, das ihr vor zehn Jahren wart? Genannt werden ist die halbe Miete. Der Selbsttest schaut auf beides.

Vorbereitung: 2 Minuten

Personalisierung ausschalten. KI-Assistenten merken sich, was ihr ihnen früher erzählt habt. Ist bei ChatGPT die Memory-Funktion aktiv, nutzt es Informationen aus früheren Chats, um Antworten zu personalisieren – auch für Websuchen. Wer oft mit ChatGPT über die eigene Firma spricht, sieht deshalb womöglich nicht dasselbe wie ein Fremder.

Standort mitdenken. ChatGPT kann für lokale Ergebnisse einen ungefähren Standort aus der IP-Adresse verwenden. Wer in Innsbruck sitzt und nach Anbietern in Tirol fragt, bekommt womöglich andere Antworten als jemand in Wien. Nennt den Ort deshalb ausdrücklich in der Frage.

Eine Notiz anlegen. Ein leeres Dokument oder eine Tabelle mit drei Spalten genügt: Frage, Assistent, Beobachtung.

Schritt 1: Assistenten auswählen

Nehmt drei oder vier der verbreiteten Systeme, zum Beispiel:

Wer Zeit hat, nimmt noch Microsoft Copilot oder Claude dazu.

Schritt 2: Fünf Fragen formulieren

Stellt nicht nur die naheliegende Frage nach eurem Firmennamen. Spannender ist, ob ihr auch dann vorkommt, wenn niemand euren Namen kennt. Eine gute Mischung:

  1. Die direkte Frage: „Was weißt du über [euer Unternehmen] in [Ort]?“
  2. Die Kauffrage: „Welche Anbieter für [eure Leistung] in [Region] kannst du empfehlen?“
  3. Die Vergleichsfrage: „Was unterscheidet [euer Unternehmen] von [Mitbewerber]?“
  4. Die Problemfrage: Ein Problem, das eure Leistung löst – ohne Branchenbegriffe, so wie es jemand von außen beschreiben würde.
  5. Die Entscheidungsfrage: „Worauf sollte ich achten, wenn ich [eure Leistung] beauftrage?“

Ein erfundenes Beispiel: Das Seminarhotel Beispielhof würde etwa fragen: „Welche Seminarhotels im Tiroler Unterland eignen sich für eine zweitägige Klausur mit 20 Personen?“ oder „Wie plane ich eine Teamklausur, bei der die Leute wirklich abschalten?“

Ein Hinweis zur Ehrlichkeit: Diese Fragen sind eure eigene Auswahl. Sie zeigen, was die KI auf eure Vermutungen antwortet. In einem KI-Audit gehen wir den umgekehrten Weg und lassen die KI den Fragebogen selbst schreiben. Dabei tauchen oft Fragen auf, auf die kein Marketing-Team gekommen wäre.

Fuchs-Tipp

Lasst die Problemfrage von jemandem schreiben, der nicht bei euch arbeitet. Wer die Branche von innen kennt, packt automatisch die eigenen Fachbegriffe hinein – und testet damit eher die eigene Sprache als die eurer Kunden.

Schritt 3: Jede Frage mehrmals stellen

Stellt jede Frage pro Assistent mindestens zwei- bis dreimal, jedes Mal in einem neuen Chat. Nicht nachbohren, nicht umformulieren.

Der Grund: KI-Antworten schwanken stark. In einer Untersuchung von SparkToro lag die Chance, dass ChatGPT oder Googles KI auf dieselbe Frage zweimal dieselbe Liste von Marken nennt, unter eins zu hundert. Ein einzelner Treffer ist also noch kein Erfolg, ein einzelnes Fehlen noch keine Katastrophe. Erst wenn sich etwas wiederholt, ist es ein Muster.

Schritt 4: Notieren, worauf es ankommt

Haltet bei jeder Antwort fünf Dinge fest:

  1. Werdet ihr genannt? Ja, nein, nur am Rande?
  2. Stimmt es? Leistungen, Adresse, Ansprechstelle, Angebot – alles korrekt?
  3. Ist es aktuell? Oder beschreibt die KI ein Angebot, das es so nicht mehr gibt?
  4. Klingt es nach euch? Eine Antwort kann sachlich stimmen und trotzdem ein Bild zeichnen, für das ihr nicht stehen wollt. Das sieht ein Mensch, der euer Unternehmen kennt, sofort – eine Maschine nicht.
  5. Welche Quellen werden zitiert? Eure Website, Bewertungsportale, Zeitungsartikel, Branchenverzeichnisse? Und wer wird stattdessen genannt?

Beim letzten Punkt lohnt es sich, die Quellen auch anzuklicken. OpenAI empfiehlt selbst zu prüfen, ob eine Quelle die Antwort tatsächlich stützt, denn Suchergebnisse und Quellenangaben können unvollständig, veraltet oder falsch sein. Auch Google weist darauf hin, dass KI-Antworten Fehler enthalten können.

Fuchs-Tipp

Macht von jeder Antwort einen Screenshot und schreibt das Datum dazu. In drei Monaten wollt ihr wissen, was sich verändert hat. Aus dem Gedächtnis weiß das dann niemand mehr.

Die Checkliste

  • Temporärer Chat ohne Personalisierung oder privates Fenster ohne Anmeldung
  • Ort ausdrücklich in die Frage geschrieben
  • Drei bis vier Assistenten ausgewählt
  • Fünf Fragen: direkt, Kauf, Vergleich, Problem, Entscheidung
  • Jede Frage zwei- bis dreimal in neuem Chat gestellt
  • Pro Antwort notiert: genannt, stimmt, aktuell, klingt nach uns, Quellen
  • Genannte Mitbewerber und Portale notiert
  • Auffällige Quellen geöffnet und gelesen

Schritt 5: Auswerten

Legt eure Notizen nebeneinander und sucht nach Mustern:

  • Ihr werdet bei der direkten Frage gefunden, sonst kaum. Die KI kennt euch, verbindet euch aber nicht mit eurem Thema. Häufig ein Hinweis darauf, dass im Netz wenig über eure Leistungen steht.
  • Ihr werdet genannt, aber mit falschen oder alten Angaben. Dann steht diese Angabe irgendwo im Netz. Die Quellen führen meist hin. Was ihr dann tun könnt, steht in Falsche Angaben in KI-Antworten.
  • Andere werden genannt, ihr nicht. Schaut euch an, wo über diese Anbieter geschrieben wird. Gut möglich, dass Erwähnungen auf fremden Seiten den Unterschied machen. Mehr dazu in Brand Mentions.
  • Statt Mitbewerbern tauchen Portale und Ratgeber auf. Die Konkurrenz um die Antwort kommt oft aus einer ganz anderen Ecke als erwartet.

Warum die KI so entscheidet, erklären wir in Wie entscheidet ChatGPT, welche Unternehmen es nennt?. Die Kurzfassung: Sie nennt, was viele glaubwürdige Quellen übereinstimmend erzählen. Wer daran arbeitet, nimmt Einfluss darauf, was sie findet. Anzeigen zeigt ChatGPT seit Ende August 2026 zwar auch in Österreich, laut OpenAI aber getrennt von der Antwort. Den Platz in der Antwort selbst kann man nicht kaufen.

Was ein Selbsttest kann – und was nicht

Ein Selbsttest ist ehrliche Handarbeit und zeigt euch in kurzer Zeit:

  • ob die KI euch überhaupt kennt,
  • ob grobe Fehler oder veraltete Angaben im Umlauf sind,
  • welche Quellen und Mitbewerber immer wieder auftauchen.

Was er nicht leisten kann:

  • Eine belastbare Zahl. Fünf Fragen mal drei Durchläufe sind 15 Antworten pro Assistent. Bei so stark schwankenden Antworten ist das zu wenig, um zu sagen, wie oft ihr genannt werdet. Auch SparkToro empfiehlt, eine Frage mindestens 60- bis 100-mal zu stellen und die Ergebnisse zu mitteln.
  • Einen fairen Vergleich. Ohne systematische Auszählung bleibt offen, wie ihr im Verhältnis zur Konkurrenz dasteht.
  • Die Fragen, an die ihr nicht denkt. Ihr prüft eure eigenen Vermutungen. Was die KI zu eurem Thema für wichtig hält, bleibt verborgen.

Genau dafür gibt es das KI-Audit. Es funktioniert wie Marktforschung, nur dass wir die KI befragen: Die KI schreibt rund 100 Fragen pro Zielgruppe, jede Frage wird mehrere hundert Mal an mehrere Systeme gestellt, und daraus ergibt sich euer Share of Answers im Vergleich zur Konkurrenz. Die Zahlen liefert die Technik. Was sie für euch bedeuten und wofür ihr in den Antworten stehen wollt, besprechen wir gemeinsam mit euch. Wie das abläuft, steht auf der Seite KI-Sichtbarkeit.

Kurz gefragt

Häufige Fragen

Wie finde ich heraus, was ChatGPT über mein Unternehmen sagt?
Fragt ChatGPT direkt nach eurem Unternehmen und stellt zusätzlich Fragen zu eurem Thema, in denen euer Name nicht vorkommt. Startet dafür einen temporären Chat ohne Personalisierung, stellt jede Frage mehrmals in einem neuen Chat und notiert, ob ihr genannt werdet, ob die Angaben stimmen und welche Quellen verlinkt sind.
Warum bekomme ich bei jeder Frage eine andere Antwort?
KI-Antworten schwanken, auch bei exakt derselben Frage. Dazu kommen Personalisierung, Standort und die Websuche, die je nach Frage unterschiedliche Quellen findet. Deshalb solltet ihr jede Frage mehrmals stellen und auf Muster achten, nicht auf eine einzelne Antwort.
Was mache ich, wenn die KI etwas Falsches über uns erzählt?
Schaut euch zuerst die Quellen an, auf die sich die Antwort stützt. Oft steht die veraltete oder falsche Angabe irgendwo im Netz, etwa in einem alten Verzeichniseintrag oder auf der eigenen Website. Wer diese Quellen korrigiert und aktuelle, gut belegte Inhalte veröffentlicht, nimmt Einfluss darauf, was die KI künftig findet. Eine Garantie, dass sich die Antwort ändert, gibt es aber nicht.
Ersetzt der Selbsttest ein professionelles KI-Audit?
Nein. Ein Selbsttest mit einer Handvoll Fragen ist eine Stichprobe und zeigt Tendenzen und auffällige Fehler. Für belastbare Anteile braucht es deutlich mehr Fragen und deutlich mehr Wiederholungen. Für einen ersten Eindruck ist der Selbsttest aber gut geeignet.

Quellen

  1. OpenAI, 18.08.2026: ChatGPT Ads expands across Europe (abgerufen am 20.10.2026)
  2. ContentGrip, 19.08.2026: ChatGPT Ads expands across Europe (abgerufen am 20.10.2026)
  3. OpenAI Help Center: Memory in ChatGPT (abgerufen am 20.10.2026)
  4. OpenAI Help Center: Searching the web with ChatGPT (abgerufen am 20.10.2026)
  5. Google (The Keyword), 13.08.2025: Gemini adds Temporary Chats and new personalization features (abgerufen am 20.10.2026)
  6. Google Gemini-Apps-Hilfe: Zugehörige Quellen aus Gemini-Apps ansehen (abgerufen am 20.10.2026)
  7. Perplexity Help Center: How does Perplexity work? (abgerufen am 20.10.2026)
  8. Google Suche-Hilfe: Übersicht mit KI: Informationen in der Google Suche schneller und einfacher finden (abgerufen am 20.10.2026)
  9. SparkToro (Rand Fishkin), 27.01.2026: New Research: AIs are highly inconsistent when recommending brands or products; marketers should take care when tracking AI visibility (abgerufen am 20.10.2026)

Und wie sieht das bei euch aus?

Wenn ihr nach dem Selbsttest wissen wollt, wie das Bild über tausende Antworten und im Vergleich zu eurer Konkurrenz aussieht, ist das KI-Audit der nächste Schritt.