Viele Gäste fragen bei der Reiseplanung inzwischen auch eine KI – zum Beispiel nach einem Hotel für ein Seminar, nach einem Haus, in dem der Hund willkommen ist, oder nach Wellness mit Blick auf die Berge. Die KI antwortet mit wenigen Namen und einer kurzen Beschreibung. KI-Sichtbarkeit heißt für Hotels und Tourismusbetriebe deshalb zweierlei: in diesen Antworten vorkommen – und dort richtig beschrieben werden, mit aktuellen Angaben zu Ausstattung, Lage und Angebot.
Wie Gäste KI bei der Reiseplanung nutzen
Die Zahlen zeigen einen Anfang, keinen Massenumzug – aber einen deutlichen.
- Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom haben sich 22 Prozent der Urlaubsreisenden in Deutschland bereits Unterkünfte von einer KI vorschlagen lassen. Weitere 44 Prozent sind dafür offen. Befragt wurden 955 Urlaubsreisende im Frühjahr 2025.
- Die Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) kommt mit einer etwas anderen Frage auf 13 Prozent der 18- bis 75-Jährigen, die in den zwölf Monaten vor der Befragung KI-Anwendungen rund um eine Urlaubsreise genutzt haben. 35 Prozent können es sich künftig vorstellen. Unter den Nutzern und möglichen Nutzern nennen 51 Prozent die Angebotssuche und den Vergleich als Aufgabe, für die sie KI genutzt haben oder nutzen würden (Stand November 2025).
Gleichzeitig bauen die großen Anbieter Reisefunktionen direkt in ihre KI-Produkte ein. Google hat im November 2025 eine Reiseplanung im AI Mode vorgestellt, die Hotels nach Preis und Ausstattung vergleicht und dazu Bewertungen und Fotos aus Google Maps zeigt – zum Start allerdings nur in den USA. In ChatGPT gibt es seit Oktober 2025 eigene Apps von Booking.com und Expedia.
Für ein Hotel in Tirol heißt das: Ein Teil der Gäste lernt euch künftig nicht über eure Startseite kennen, sondern über zwei, drei Sätze, die eine KI über euch schreibt.
Fragen, auf die kein Marketing-Team käme
Den Fragebogen schreibt bei uns die KI selbst: Sie verrät uns, welche Fragen sie zu einem Thema und einer Zielgruppe für relevant hält. Dann stellen wir ihr genau diese Fragen, jede mehrere hundert Mal und an mehrere Systeme. Nicht unser Bauchgefühl entscheidet, welche Fragen zählen, sondern die Sichtweise der KI. Darunter sind auch Fragen, auf die am Besprechungstisch niemand gekommen wäre. Wie das im Detail abläuft, steht unter KI-Audit.
Unbesetzte Fragen sind eine Chance
Gibt es auf eine Frage, die die KI wichtig findet, im Netz noch keine gute Antwort, ist das eine offene Tür. Wer sie zuerst gut beantwortet – auf der eigenen Website und bei anderen –, hat dort kaum Konkurrenz. Ob das reicht, um genannt zu werden, kann niemand garantieren. Die Chance ist trotzdem real – und messbar.
Welche Angaben für Hotels besonders zählen
Die KI kann nur wiedergeben, was irgendwo steht. Und gute Antworten brauchen Konkretes. „Familienfreundlich“ oder „ideal für Tagungen“ hilft wenig. Hilfreich sind Fakten, die man übernehmen kann:
- Lage und Entfernungen: zum Ort, zum Bahnhof, zur Talstation, zum Flughafen. Anreise ohne Auto ja oder nein.
- Ausstattung: Wellnessbereich, Pool, Sauna, Ladestationen für E-Autos, Garage, Fahrradraum, Skiraum.
- Zimmer und Kapazitäten: Anzahl, Größen, Familienzimmer, Zustellbetten.
- Seminar und Tagung: Anzahl der Räume, maximale Personenzahl je Bestuhlung, Tageslicht, Technik, Pauschalen.
- Hund: erlaubt ja oder nein, in welchen Zimmern, was es kostet, was es für den Hund gibt.
- Barrierefreiheit: stufenloser Zugang, Lift, rollstuhlgerechte Zimmer.
- Kulinarik: Halbpension, vegetarisch, vegan, Unverträglichkeiten.
- Saison: Öffnungszeiten, Ruhetage, Betriebsurlaub.
Diese Angaben gehören gut lesbar auf eure Website, nicht versteckt in einem PDF. Zusätzlich helfen strukturierte Daten. Das Vokabular von Schema.org sieht für Unterkünfte etwa Felder für Ausstattung, Haustiere, Check-in-Zeiten und Zimmeranzahl vor. Google weist darauf hin, dass strukturierte Daten mit dem sichtbaren Text übereinstimmen und die Angaben im Unternehmensprofil aktuell sein sollen.
Fuchs-Tipp
Lest eure Seite zum Urlaub mit Hund einmal so, als wärt ihr der Hund. Steht dort nur „Hunde willkommen“ – oder auch, in welchen Zimmern, was es kostet und was es für ihn gibt? Die KI kann nur erzählen, was dasteht.
Bewertungsportale und Buchungsplattformen als Quellen
Was ihr auf eurer Website schreibt, ist eure Sicht. Für die KI ist das eine Quelle unter vielen. Genauso wichtig ist, was andere über euch erzählen: Bewertungen, Buchungsplattformen, die Seite des Tourismusverbands, Presseberichte, Reiseblogs.
Googles Reiseplanung im AI Mode zeigt das deutlich: Sie zieht Bewertungen und Fotos aus Google Maps direkt in den Vergleich. Wer dort veraltete Fotos oder unbeantwortete Kritik stehen hat, wird auch so wahrgenommen.
Drei Dinge helfen:
- Einheitliche Angaben. Dieselbe Seminarkapazität, dieselben Hunderegeln, dieselben Öffnungszeiten – auf der Website, im Google-Unternehmensprofil und auf jeder Plattform.
- Bewertungen pflegen. Gäste um ehrliche Bewertungen bitten und sachlich antworten. Gekaufte oder selbst geschriebene Bewertungen sind tabu, auch rechtlich – mehr dazu in Brand Mentions.
- Andere erzählen lassen. Ein Bericht in der Regionalzeitung über den neuen Seminarraum oder ein Eintrag beim Tourismusverband wiegt oft mehr als ein weiterer Absatz auf der eigenen Seite.
Typische Fehlerquellen: veraltete Angaben
Ein erfundenes Beispiel: Das Seminarhotel Beispielhof hat vor zwei Jahren umgebaut. Der neue Saal fasst 60 Personen. Auf einem alten Portaleintrag und in einem Pressebericht von damals steht aber noch „Seminarraum für bis zu 12 Personen“. Die KI findet beides – und nennt das Haus bei der Frage nach einem Seminar für 30 Personen womöglich gar nicht. Oder sie nennt es mit der falschen Angabe.
Typische Ursachen:
- alte Einträge auf Portalen, die niemand mehr pflegt,
- PDF-Preislisten und Prospekte früherer Saisonen,
- Presseberichte von vor einem Umbau oder Pächterwechsel,
- Bewertungen, die ein längst gelöstes Problem beschreiben,
- widersprüchliche Angaben zwischen Website und Plattformen.
Wie man solche Fehler findet und behebt, beschreiben wir in Falsche Angaben in KI-Antworten.
Fuchs-Tipp
Ruft nach jedem Umbau alle Portale auf, auf denen euer Haus steht, und vergleicht die Kapazitäten mit eurer Website. Das ist ein Nachmittag Arbeit – und die KI erzählt danach nicht mehr vom alten Saal.
Was ein Mensch sieht, das die Technik nicht sieht
Eine KI-Antwort kann stimmen und trotzdem nichts über euch sagen. „Das Hotel bietet moderne Zimmer in ruhiger Lage“ trifft auf halb Tirol zu. Was euer Haus besonders macht – die Gastgeberfamilie, die Küche, der Hund, der bei euch Stammgast ist –, steht vielleicht nirgends. Dann kann die KI es auch nicht erzählen.
Die Technik misst, wie oft ihr genannt werdet und was dabei über euch steht. Was erzählt werden soll, ist eine Frage der Positionierung. Das entscheiden wir mit euch. Danach schreiben wir die Texte in eurer Tonalität, sorgen für Fotos, Videos und Nennungen bei anderen – und messen wieder.
Praktische Schritte für euer Haus
- Selbst nachfragen. Stellt ChatGPT, Gemini und Perplexity ein paar Fragen zu eurem Haus und eurem Angebot. Wie das sinnvoll geht, steht im Selbsttest.
- Faktenblatt anlegen. Alle harten Angaben an einer Stelle: Kapazitäten, Ausstattung, Regeln, Saisonzeiten.
- Website ergänzen. Für jedes wichtige Thema eine eigene, gut lesbare Seite oder einen eigenen Abschnitt: Seminar, Wellness, Urlaub mit Hund, Familie.
- Portale abgleichen. Google-Unternehmensprofil, Buchungsplattformen, Tourismusverband, Branchenverzeichnisse.
- Bewertungen beantworten. Regelmäßig und sachlich.
- Für Nennungen sorgen. Neuigkeiten an regionale Medien und Partner weitergeben.
- Messen. Ein Selbsttest zeigt Einzelantworten. Ein belastbares Bild ergibt erst eine Messung über viele Fragen und Wiederholungen – siehe Share of Answers.
Wie KI-Audit, Strategie, Umsetzung und Messung zusammenhängen, erklären wir unter KI-Sichtbarkeit. Die Grundlagen stehen in Was ist KI-Sichtbarkeit?